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Frank Castorf

Am 08. November 2016 erfolgte die Verleihung der Nestroy-Theaterpreise in 13 Kategorien. Für sein Lebenswerk wurde Frank Castorf geehrt. Dieser Artikel stellt den kontroversen Theatermacher vor.

Seit 1992 is Frank Castorf Intendant an der Volksbühne Berlin MitteDie  Berliner Volksbühne am Rosa Luxenburg Platz wo Frank Castorf Intendant ist.
Bildnachweis: Ansgar Koreng / CC BY-SA 3.0 (DE)


Der deutsche Regisseur und Intendant der Berliner Volksbühne wurde 1951 in Ost-Berlin geboren. Anfangs machte er eine Ausbildung als Facharbeiter der Deutschen Reichsbahn. Erst nach dem Wehrdienst studierte Castorf Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Der Weg

Seine ersten Stationen in der damaligen DDR waren in Senftenberg, Brandenburg (Havel), Anklam, Karl-Marx-Stadt, Halle und Berlin. Bereits vor der Wende durfte Castorf an westdeutschen Bühnen in München und Köln inszenieren. Ab 1990 führte er Regie am Deutschen Theater Berlin und in Basel. Die Intendanz an der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz führt Castorf seit 1992 und er plant sein Amt im Sommer 2017 dort niederzulegen.

Die Arbeit

Castorfs Inszenierungen werden dem postdramatischen Theater zugeordnet. In seiner Arbeit will er basierend auf einer literarischen Vorlage eine seltsame private Sicht auf die Bühnenhandlung seiner Schauspieler erzeugen. Dafür baut er biografische Details ein oder er verfremdet die Vorlage durch Slapstick, Unsinn oder Derbheit. Er zensiert oder kürzt nach eigenem Ermessen und ergänzt mit Assoziationen aus fremden Dramen, Filmzitaten, politischen Reden oder Manifesten, philosophischer Texte oder Liedern. In den letzten Jahren intensivierte Castorf den experimentellen Gebrauch von Leinwänden und Videokameras.
Er will komplexe Sachverhalte, etwa aus der Gesellschaft oder Politik, durch seine Inszenierungsweise auf eine erzählbare, verständliche Weise vermitteln.
Dieser Zugang brachte Castorf viel Kritik ein, erhob ihn und die Berliner Volksbühne aber gleichzeitig in den Kultstatus. Seine Theaterarbeit wird sogar als ernsthafte und richtungsgebende Experimentalästhetik für das politische Theater betrachtet.

Die Auszeichnungen

1994 erhielt Castorf den Fritz-Kortner-Preis. Seine erste Oper inszenierte er 1998 in Basel und zwar Otello. Der Schauspieler Henry Hübchen wurde gemeinsam mit Castorf im Jahr 2000 mit dem Theaterpreis Berlin ausgezeichnet. 2002 folgte die Ehrung mit dem Schillerpreis (Stadt Mannheim) und 2003 mit dem Preis des Internationalen Theaterinstitutes und dem Friedrich-Luft-Preis (der Berliner Morgenpost). In den Jahren 2002 und 2003 wurde Castorf als bester Regisseur von der Zeitschrift ‘Theater heute’ gewählt. 2014 erhielt er den Berliner Bär, ein Kulturpreis der berliner Boulevardzeitung B.Z. 2016 erfolgte die Verleihung des Großen Kunstpreises Berlin und des Deutschen Theaterpreises Der Faust an Castorf.